Familie, Erziehung, Paar

    Wesentliche Momente therapeutischen Handelns in Familien und bei Paaren sind die Veränderung durch Begegnung, Systemänderung und aktive Umstrukturierung. Im Gespräch sollte angeregt werden, Bewusstes, aber bisher Verschwiegenes zu kommunizieren. Loyalitäten und Loyalitätsverletzungen, die zu unfairer Überbeanspruchung einzelner Familienmitglieder führen können, werden bearbeitet. Der interaktionelle Anteil von Übertragung kommt in Paar- und Familienbeziehungen besonders ausgeprägt vor.
    Hierbei bedient sich der Therapeut sowohl der Analyse der Übertragung und Gegenübertragung, als auch der eigenen Gefühlsantworten auf die einzelnen Familienmitglieder. Mehr noch geht es um Klarifikation und Konfrontation mit Hinweisen auf die beobachteten interaktionellen Phänomene und das Deuten der erschlossenen Zusammenhänge.

    Eine besonderen Bedeutung in Partnerschaften kommt dem Phänomen der „Kollusion“ (Willi, 1995) zu, da sich in Beziehungen häufig Partner wiederfinden, die wie Schlüssel und Schloss zueinander passen. Wünsche und Impulse, die für den einen so ängstigend sind, dass sie abgewehrt und unbewusst gehalten werden müssen, sind häufig beim Partner bewusst und werden von ihm ausgelebt und umgekehrt. So kann jeder im anderen das Abgewehrte gleichzeitig partizipierend genießen und bekämpfen. Vor allem in solchen Dynamiken ist eine Paarberatung/-therapie einer Einzeltherapie vorzuziehen. Im Gegensatz dazu sind bei internalisierten (verinnerlichten) ungünstigen Lösungsmodellen des Einzelnen paartherapeutische Interventionen wenig erfolgversprechend, auch wenn sie zu kurzfristigen Symptomverbesserungen führen können.

    Zu Beginn der Abklärung steht eine genaue Problemformulierung und die Herausarbeitung möglicher Lösungsstrategien, auch anhand der persönlichen Ressourcen der Betroffenen, sodass auch nur ein bis drei Beratungsgespräche oftmals schon ausreichend sein können.