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    Der COVID-19-Impfstoff von AstraZenica

    Auf die bekannt gewordenen schweren Thrombosen im Zusammenhang mit dem COVID-19-Impfstoff von AstraZeneca (Vaxzevria, vorher AZD1222) reagierten einige Länder mit Altersbeschränkungen, so z. B. Deutschland. In Österreich gibt es weitherhin keine Einschränkungen (Stand: 09. 04. 2021). Die Tiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin hat eine kurze Patienteninformation zum AstraZeneca-Impfstoff publiziert, die Ihnen die informierte Entscheidungsfindung erleichtern soll; Link.

    Coronavirus

    Indem sich die Informationen zum neuen Coronavirus (SARS-CoV-2/COVID-19) permanent ändern,  darf ich Sie an dieser Stelle auf Website des Bundesministeriums (Link) verweisen.

    Eine Handlungsempfehlung zum Verhalten bei Quarantäne von COVID-19-Fällen mit leichtem Krankheitsbild und Verdachtsfällen finden Sie auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin; Link.

    Die Grippezeit beginnt, schon geimpft?

    Gleichwohl uns das Corona-Virus derzeit mehr als alles andere beschäftigt: Auch in diesem Winter wird die saisonale Grippeepidemie nicht ausbleiben. Meist erkranken daran bis zu 5 % der gesunden Erwachsenen und 10 – 20 % der Kinder und Jugendlichen. Natürlich hofft man, dass die COVID-19-Hygieneregeln in diesem Jahr hohe Fallzahlen verhindern, weil Hygiene die beste Grippe-Prophylaxe ist. Für bestimmte Personen ist aber auch die Grippe-Impfung anzuraten.

    Wer sollte sich vorrangig impfen lassen?

    – Ältere 65+
    – Risikogruppen (z. B. chronisch Kranke) und Personen mit regelmäßigem Kontakt zu solchen
    – Schwangere
    – Kinder

    In unserer Praxis sind derzeit noch Restbestände der Grippe-Impfstoffe verfügbar.

    Wir haben noch Restbestände von Influenza Impfstoffe für +65 Jahre, als auch Restbestände des als Nasenspray verabreichten Lebendimpfstoff für Kinder (ab 24. Lebensmonat) aktuell noch vorrätig. Die Kinderimpfung bis zum vollendeten 15. Lebensjahr ist heuer im kostenfreien Kinderimpfprogramm enthalten, ebenso kann der +65 Impfstoff bei österreichischer Sozialversicherung kostenlos verabreicht werden.

    Impfungen erfolgen ausschließlich nach Terminvereinbarung – bitte kontaktieren Sie uns dazu telefonisch (Tel. 0512 575566) oder per E-Mail an office@dr-bachler.at. Wir stehen selbstverständlich auch gerne für weitere Informationen zur Grippe-Impfung zur Verfügung.

    Corona-Testungen

    PCR-Test in der Hausarzt-Praxis: Standardmäßig erfolgt der Nachweis einer Infektion mit SARS-CoV-2 (Corona-Virus) über Abstriche aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum. Im Labor wird der Abstrich dann mittels PCR-Verfahren auf Erbgut des Virus untersucht (PCR = Polymerase-Kettenreaktion). Der PCR-Test ist gut geeignet, um eine akute Infektion mit SARS-CoV-2 nachzuweisen. Er ist jedoch nicht dazu geeignet, eine Infektion mit absoluter Sicherheit auszuschließen. Der Test ist anzuwenden bei allen Erkrankten unabhängig von Risikofaktoren mit Zeichen einer akuten Atemwegsinfektion und/oder mit Verlust von Geruchs- oder Geschmackssinn sowie bei Erkrankten, bei denen die Krankheitsursache unklar ist (Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, neurologische Beschwerden oder Hautausschläge). Der Test kann angewendet werden bei Privatpersonen, z. B. für Rückkehrer aus Risikogebieten oder für die Einreise in Länder, in denen Österreich als Risikogebiet gilt – in diesem Fall sind die Kosten i.d.R. selbst zu tragen.

    Die Nachverfolgung und Testung von Kontaktpersonen obliegt grundsätzlich den Gesundheitsbehörden!

    Antigen-Test in der Hausarzt-Praxis („Schnelltest“): Ein Antigen-Test weist im Gegensatz zum PCR-Test kein Erbmaterial des Virus nach, sondern Virusproteine. Ein Ergebnis liegt bereits nach 10 bis 15 Minuten vor. Leider erkennen Antigen-Tests im direkten Vergleich mit PCR-Tests Kranke seltener richtig als krank und Gesunde seltener richtig als gesund. Aus diesem Grund gilt dieser Test nur unter bestimmten Voraussetzungen als sinnvolle Ergänzung zu anderen Maßnahmen; ein positiver Antigen-Test muss grundsätzlich mittels PCR bestätigt werden. Wir informieren Sie gerne über die Indikationen, die für den Einsatz des Antigen-Test sprechen!

    PCR-Test über 1450: Für alle Verdachtsfälle entsprechend der Definition des Robert Koch-Instituts – das  sind Personen mit jeglichen mit COVID-19 vereinbaren Symptomen UND Kontakt mit einem bestätigten Fall von COVID-19 bzw. das Auftreten von zwei oder mehr Lungenentzündungen (Pneumonien) in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern, bei denen ein COVID-19-Zusammenhang vermutet wird. „K1-Kontaktpersonen“: Hierunter fallen vor allem  Personen, die im gemeinsamen Haushalt leben sowie Personen mit Kontakten näher als 2 Meter und länger als 15 Minuten – auch, wenn sie keine Symptome haben! Informationen für K1/K2-Kontaktpersonen finden Sie online.

    Es ist wieder Grippezeit!

    In den Wintermonaten tritt eine saisonale Grippeepidemie von meist ca. 6 Wochen Dauer auf. In diesen Wochen erkranken 2–5 % der gesunden Erwachsenen und 10 – 20 % der Kinder und Jugendlichen (1). Genaue Zahlen gibt es nicht; die Schätzungen sind tendenziell zu hoch, da alle fieberhaften Erkältungserkrankungen in dieser Zeit ohne Erregernachweis der „Grippe“ zugezählt werden. Im Dezember 2019 wurde der Beginn der diesjährigen Grippewelle durch die Tiroler Gebietskrankenkasse ausgerufen.

    Auslöser: saisonale Influenzaviren, meist Typ A und B. Inkubationszeit: 1–2 Tage. Krankheitsdauer: meist 5–7 Tage, kann jedoch in Abhängigkeit von Komplikationen und Risikofaktoren auch deutlich länger sein.

    Symptomatik

    Im Unterschied zur akuten Bronchitis, die vorwiegend nur bei Kindern 1–2 Tage > 38 °C Fieber verursacht, ist plötzliches hohes Fieber bis 40 °C über 4–5 Tage bei eher geringen Erkältungssymptomen (trockener Reizhusten, Halsschmerzen, Muskel- und/oder Kopfschmerzen) typisch. Gerade in den Risikogruppen – Kinder & Jugendliche, Ältere und chronisch Kranke – können die Symptome abweichen (bei Kindern z. B. Appetitlosigkeit, Apathie, Atemprobleme)! Mögliche Komplikationen sind u. a. sekundäre virale und bakterielle Infektionen, insbesondere Pneumonie, Exazerbation einer COPD oder Asthma, Pseudokrupp bei Kindern, Otitis media (vor allem bei Kindern) oder kardiale Komplikationen.

    Prophylaxe

    Hygienemaßnahmen zur Verminderung der Ansteckung: Influenzaviren können sowohl als per Aerosol, als auch als Schmierinfektion über Hände übertragen werden. In trockener Raumluft können Influenzaviren länger in Schwebe bleiben, möglicherweise treten deshalb Influenzaepidemien vorwiegend in der Heizperiode auf. Atemmasken sind am wirksamsten, wenn der Erkrankte sie trägt, wegen ungenügender Abdichtung und ungeschützter Augen ist der Träger einer Atemmaske nur teilweise geschützt. Als wichtigste Hygienemaßnahme gilt hier regelmäßiges Lüften. Auf den Händen bleiben Influenzaviren etwa fünf Minuten lang ansteckend; Handdesinfektion und Meiden von Händeschütteln werden empfohlen.

    Saisonale Grippe-Impfung: In den meisten Ländern gibt es Empfehlungen für Patienten 65+ und Risikogruppen. In Österreich wird die Impfung bereits ab 50 Jahren empfohlen. Der Impfschutz hält nur für eine Saison an. Der ideale Impfzeitpunkt liegt in den Monaten Oktober und November; die Impfung kann bei Bedarf aber auch danach noch verabreicht werden.
    Darüber, für welchen Personen die Grippe-Impfung tatsächlich von Nutzen ist, wird wissenschaftlich kontrovers diskutiert.

    Gesicherter Nutzen:
    – Rückgang der Sterblichkeit bei Impfung von Herzinfarktpatienten
    – Rückgang der Exazerbationsrate bei COPD
    – Rückgang der Entgleisungen und Hospitalisierung bei Diabetes
    – Niedrigere Sterblichkeit und infektionsbedingte Auswirkungen bei Krebskranken
    – Gesicherte Wirkung bei Patienten in Pflegeheimen
    – Senkung der Sterblichkeit bei Altersheimpatienten durch Impfung von Pflegepersonal und Ärzten, aber nur, wenn Pfleglinge auch geimpft wurden

    Unklarer Nutzen:
    – Keine gesicherten Daten bei ambulanten Patienten
    – Keine Senkung der Sterblichkeit bei Kindern und gesunden jungen Erwachsenen
    – Kein Nutzen bei Asthma

    Die verwendete Literatur liegt in der Ordination zur Einsicht auf. Wir informieren Sie in der Praxis gerne ausführlicher zum Thema!

    Kommen Sie gut über die heißen Sommertage!

    Gefährliche Hitze

    Dass heiße Tage mit erhöhten gesundheitlichen Risiken einhergehen, ist unbestritten. So fanden Hutter et al. (1) bei älteren Personen über 65 Jahren durch Hitzebelastungen in Wien zwischen 1998 und 2004 durchschnittlich 4 zusätzliche Todesfälle täglich. Auch das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (2) warnt davor, dass das Todesfallrisiko mit jedem °C stark zunimmt und darum im oberen Temperaturbereich entsprechend hoch ist; das Gesundheitsrisiko bleibt auch 2-3 Tage nach Abkühlung noch deutlich erhöht!

    Auswirkungen der Hitze auf den Körper (3, 4)

    Der menschliche Körper tauscht mit seiner Umgebung permanent Wärme aus. Steigt die Körperoberflächentemperatur bei Hitze, beeinflussen die körpereigenen Gegenmaßnahmen zur Temperatursenkung vor allem auf die Herz-Kreislauf-Funktion und den Wasser-Elektrolythaushalt (Hautgefäßerweiterung und Erhöhung der Hautdurchblutung – Absinken des Blutdrucks und Anstieg der Herzfrequenz). Schwitzen ist der wichtigste Kühlmechanismus des Menschen: Durch Verdunstung des Schweißes auf der Haut wird Körperwärme abgegeben; dabei verlorene Flüssigkeit und Mineralstoffe/Elektrolyte müssen ersetzt werden müssen. Ist die hohe Außentemperatur mit hoher Luftfeuchtigkeit kombiniert, verdunstet der abgesonderte Schweiß weniger schnell, wodurch die Kühlwirkung reduziert wird.

    Muskelarbeit bei körperlicher Anstrengung erhöht die innere Wärmeproduktion und damit auch die Belastung des Herzens, weil es gleichermaßen für die Durchblutung der arbeitenden Muskeln und für die erhöhte Hautdurchblutung sorgen muss. Außerdem können bestimmte Medikamente und bestehende Grunderkrankungen das Plasmavolumen, die Schweißproduktion und das Herzzeitvolumen beeinflussen und wirken damit auch auf die Thermoregulierung ein.

    Hitzebedingte Erkrankungen und Notfälle (3)

    Hitzekrämpfe: schmerzhafte Muskelkrämpfe durch Elektrolytmangel, vor allem an den Extremitäten und im Bauchbereich.

    Hitzekollaps: Flüssigkeitsverlust beim Schwitzen und der Blutdruckabfall durch Erweiterung der Hautgefäße führen zu Sauerstoff-Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff, die nach längerem Stehen oder schnellem Aufstehen Ohnmacht (Hitzekollaps) verursachen kann. Häufig mit Benommenheit, Schwindel und evtl. Hitzekrämpfen assoziiert.

    Hitzeerschöpfung: Ausgelöst durch andauernden, nicht ausgeglichenen Verlust von Wasser und Mineralstoffen durch starkes Schwitzen; typisch: starkes Schwitzen mit blass-feuchter Haut, schneller Puls und schnelle, flache Atmung. Geht mit starkem Durstgefühl, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Angstgefühl und Schwäche einher. Körperkerntemperatur kann normal, subnormal oder erhöht sein, ist aber jedenfalls unter 40 °C. Starke Beschleunigung durch Durchfall oder Fieber; kann ohne Gegenmaßnahmen in Hitzschlag übergehen.

    Hitzschlag: Körperkerntemperatur steigt binnen weniger Minuten lebensbedrohlich auf über 40 °C an. Keine Schweiß-Absonderung mehr möglich (Haut ist rot, heiß und trocken); verursacht durch Wärmestau, der unabhängig von Anstrengung besonders bei geschwächten, wenig mobilen Personen auftritt (sehr junge Säuglinge oder höheres Lebensalter). Bei anstrengungsbedingtem Hitzschlag diffuses Schwitzen möglich; verursacht oft durch Muskelarbeit bei größerer/längerdauernder körperlicher Anstrengung. Hitzschlag kann zu Verwirrtheit bis Koma), Schock oder Organversagen (Atemfunktion, Niere …) führen. Sofortige Notfallbehandlung nötig!

    Sonnenstich: Zusätzliche Erwärmung des bereits überwärmten Hirngewebes durch starke direkte Einwirkung der Sonneneinstrahlung auf den unbedeckten Kopf; mögliche Folgen sind heftige Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Schläfrigkeit, Bewusstseinseintrübung, ev. Bewusstseinsverlust.

    Erhöhtes Risiko für hitzebedingte Erkrankungen (3)

    – Kindesalter

    – Höheres Lebensalter

    – Bestehende Grunderkrankungen: kardiovaskuläre Erkrankungen, Lungenerkrankungen, Nierenerkrankungen, neurologische Erkrankungen, Bluthochdruck, metabolische Erkrankungen (z. B. Diabetes mellitus) und Übergewicht, Mangel-/Unterernährung, Missbrauch von psychoaktiv wirkenden Substanzen und Alkohol, psychiatrische Erkrankungen

    – Auch Medikamente können die Thermoregulation beeinflussen und u. U. hitzebedingte Todesfälle begünstigen. Wir informieren Sie im persönlichen Gespräch gerne ausführlicher!

    Hinweis: Verwendete Literatur liegt in der Ordination zur Einsicht auf.

    Nützen Hausmittel bei Erkältung?

    So unangenehm eine Erkältung auch ist – in den wenigsten Fällen ist der Griff zum Antibiotikum gerechtfertigt: Die meisten Erkrankungen werden durch Viren verursacht, bakterielle Infekte sind selten – nur hier hilft ein Antibiotikum! Es gibt Medikamente, die die Symptome lindern können; die Krankheitsdauer lässt sich, wenn überhaupt, nur geringfügig verkürzen.

    Wie sinnvoll ist es aus wissenschaftlicher Sicht, zu Hausmitteln oder pflanzlichen Präparaten zu greifen?

    Erhöhte Körpertemperatur und Fieber werden für die Heilung als günstig bewertet. Vor dem Einsatz fiebersenkender Medikamente sind Behandlungsversuche mit Wadenwickeln eine allgemein anerkannte Maßnahme (allerdings nur bei warmen Extremitäten!) (1).

    Es gibt Hinweise, dass Honig eine kurz andauernde Besserung der Symptome bringen kann. Anhand der wissenschaftlichen Datenlage kann man sich jedoch weder für, noch gegen Honig in der Behandlung des Hustens aussprechen. (2) Es gilt: Wenn es Ihnen gut tut, spricht nichts dagegen. Kindern unter 1 Jahr sollte man aber keinesfalls Honig geben, da sie empfindlich auf bestimmte Bakterien im Honig reagieren können!

    Zwar finden sich Hinweise, dass Vitamin C die Dauer von Erkältungen reduzieren könnte; die Qualität dieser Daten ist aber mangelhaft, weitere seriöse Studien sind notwendig (3). Die grundsätzliche Gabe von Vitamin C senkt die Häufigkeit von Erkältungen nicht, allerdings halbierte es bei Menschen, die extremen körperlichen Anforderungen ausgesetzt sind (Marathonläufer, Skifahrer), das Erkältungsrisiko (1).

    Auf dem Markt gibt es diverse pflanzliche Präparate, teilweise als Wirkstoffkombinationen: u.a. Pelargonienwurzel, Primelwurzel, Thymian, Eukalyptus, Efeu. Die bisherigen Studien dazu deuten darauf hin, dass sie bei einer akuten Bronchitis den Husten etwas lindern und das Abhusten unterstützen können. Als Nebenwirkungen können z. B. Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Andere pflanzliche Mittel – etwa aus der traditionellen chinesischen Medizin – wurden bisher kaum in guten Studien untersucht. Ob sie helfen können, ist daher nicht bekannt. Auch sie können jedoch Nebenwirkungen haben. Zu Echinacin gibt es Untersuchungen, die einen Nutzen erhoffen lassen – insgesamt sind Echinacinpräparate aber schwierig zusammenfassend zu bewerten, da verschiedene Sorten und auch Pflanzenbestandteile eingesetzt werden. Eine Studie dazu sieht keinen Nutzen in der Behandlung von Erkältungen, aber möglicher Weise einen geringen Nutzen in der individuellen Erkältungsprophylaxe. (4) Zusammenfassung: Diese Mittel sind noch wenig untersucht; wenn Sie selbst bisher gute Erfahrung damit haben, ist wohl nichts einzuwenden.

    Wird Zink binnen 24 nach Auftreten der Symptome eingenommen, könnte bei gesunden Menschen die Dauer der Erkältungssymptomatik verkürzt werden; die Daten dazu sind aber noch nicht ausreichend gesichert, um dies allgemein als Behandlung empfehlen zu können Insbesondere bei Lutschtabletten ist der erhoffte Nutzen vor dem Hintergrund der potentiellen Nebenwirkungen (Übelkeit, Erbrechen, schlechter Geschmack) zu sehen. (5)

    Hinweis: Verwendete Literatur liegt in der Ordination zur Einsicht auf.

    Screening, Vorsorge, Früherkennung …

    Im alltäglichen Sprachgebrauch vermischen sich die Begriffe oft: Was gemeinhin als „Vorsorge“ bezeichnet wird, ist – gerade bei Krebserkrankungen – meist eine Früherkennungsuntersuchung.
    Unter Screening (englisch für Durchsieben) versteht man eine Reihenuntersuchung von Bevölkerungsgruppen, um festzustellen, ob sie eine bestimmte Erkrankung haben oder ein Risiko, daran zu erkranken. Die verwendeten Tests ermöglichen noch keine Diagnose, sondern veranlassen ggf. weitere Untersuchungen. Die Treffgenauigkeit von Screenings variiert stark; das Ideal, 100 % der Erkrankten als krank und 100 % der Gesunden als gesund zu erkennen, wird nie erreicht. Abhängig von der Testmethode können dabei unterschiedlich viele Gesunde als vermeintlich krank oder auch Kranke als scheinbar gesund „erkannt“ werden.
    Vorsorge umfasst all jene Maßnahmen, die die Entwicklung von Krankheiten verhindern oder aber deren Folgen abschwächen sollen. Bei Gebärmutterhalskrebs z B. soll die HPV-Impfung eine solche Vorsorgemaßnahme sein: Indem HPV-Infektionen in den meisten Fällen die Auslöser dieser Krebsart sind, soll damit das Entstehen der Erkrankung von vornherein verhindert werden.
    Früherkennung bezeichnet den Versuch, eine Krankheit möglichst früh aufzuspüren, weil dann die Heilungsaussichten oft besser sind als in späteren Stadien – für Prostatakrebs wäre dies der PSA-Test.

    Auf der Website der Tiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin (www.tgam.at/patienteninfo) finden Sie Informationen, die Ihnen die Entscheidung für oder gegen eine Maßnahme erleichtern sollen:
    –   TGAM-Patienten-Information PSA-Screening: Ein Überblick über den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zur Prostatakrebs-Früherkennung mittels PSA-Test. 7. Ausgabe, Oktober 2017
    – TGAM-Patienten-Information Mammographie-Screening: Ein Überblick über den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zur Brustkrebs-Früherkennung mittels Mammographie-Screening. 3. Ausgabe, Juni 2017
    – TGAM-Patienten-Information Gebärmutterhalskrebs: Ein Überblick über den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zu Früherkennung und Vorsorgemöglichkeiten des Gebärmutterhalskrebses – mit Informationen zu PAP-Abstrich, HPV-Test, HPV-Impfung. 2. Fassung, Oktober 2017

     Nackenschmerzen

    Etwa ein Fünftel der Bevölkerung leidet unter chronischen Nackenschmerzen oder sonstigen chronischen Beschwerden an der Halswirbelsäule (insgesamt 19 %). Frauen sind häufiger von diesem Problem betroffen als Männer (23 % bzw. 14 %). Die Häufigkeit dieser Beschwerden nimmt bis zum mittleren Erwachsenenalter zu, wobei die Unterschiede nach Geschlecht erhalten bleiben. Rund 10 % der Männer und 15 % der Frauen gaben an, von Schmerzen sowohl im Rücken-, als auch im Nackenbereich betroffen zu sein.
    So unangenehm sie für die Betroffenen auch sind, so sind Nackenschmerzen in der Regel kein Grund zur Sorge. Sie sind oft mit Muskelverspannungen verbunden, z. B. bei Bildschirmarbeitern. Eine konkrete Ursache zu finden, gelingt leider nur selten. Meist spielen verschiedene Faktoren zusammen; Stress und psychische Belastungen etwa sind häufig im Spiel, wenn die Schmerzen chronisch werden.
    Wesentlich bei Nackenschmerzen ist es, (äußerst seltene) gefährliche Verläufe auszuschließen und die Schmerzen zu lindern.

    Mögliche Ursachen:
    – Schwache Halsmuskulatur und Überlastung
    – Gelenkverschleiß
    – Bandscheibenveränderungen, Verengung des Wirbelkanals oder Bandscheibenvorfall
    – Schleudertrauma
    – Begleiterscheinung, z. B. von entzündlichen Erkrankungen der Wirbelsäule, Kiefergelenksbeschwerden oder starken Kopfschmerzen
    Oft ist die Ursache nicht eindeutig identifizierbar; Gelenkverschleiß etwa kann, muss aber keineswegs zu Nackenschmerzen führen.

    Therapie

    Viele Patienten bevorzugen Wärmeanwendungen, um Verspannungen zu lösen und die Schmerzen zu lindern. Bei Nackenschmerzen durch Nervenreizungen kann auch eine Kühlpackung wohltuend sein.

    Bewegungstherapie: Moderate Evidenz (Evidenz = wissenschaftlicher Nachweis der Wirksamkeit) für Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung, Es gibt Hinweise, dass Kräftigungsübungen chronische Nackenschmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern können.
    Akupunktur: Moderate Evidenz für kurzfristige Schmerzlinderung. Es gibt schwache Hinweise, dass Akupunktur Nackenschmerzen kurzfristig lindern kann. Die Wirkung ist aber gering und hält nicht längerfristig an.
    Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Moderate Evidenz für kurzfristige Schmerzlinderung. Es gibt Hinweise, dass die KVT die Bewegungsangst bei chronischen Nackenschmerzen stärker verringert als andere Maßnahmen.
    Medikamentöse Therapie: Viele Patienten versuchen, akute Schmerzen mit (teilweise) rezeptfreien Schmerzmitteln, wie Ibuprofen oder Diclofenac, zu lindern. Manche greifen auch zu Paracetamol. Zur Wirkung dieser Medikamente bei Nackenschmerzen gibt es bislang jedoch keine ausreichende Evidenz (Unerwünschte Arzneimittelwirkungen auf Magen, Nieren, Leber!). Auch die Wirksamkeit der Anwendung von Diclofenac und Ibuprofen als Salbe ist bei Nackenschmerzen bislang noch nicht gut untersucht. Ein Vorteil der örtlichen Anwendung der Mittel sind die seltenen Nebenwirkungen im Vergleich zu Tabletten; unerwünschte Wirkungen sind Hautirritationen.

     Was nutzt bei einer Erkältung?

    Husten, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen – eine Erkältung ist alles andere als angenehm. Doch nutzt der Griff in die Pillenschachtel?

    Antibiotika: Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass die Einnahme bei Atemwegsinfektionen in vielen Fällen hinterfragt werden sollte: 90 % dieser Erkrankungen stellen keine Indikation für eine Antibiotikabehandlung dar. Eine generelle Antibiotikagabe wird bei akuter Bronchitis nicht empfohlen: Eine Analyse der angesehenen Cochrane-Gesellschaft fand eine Verkürzung von durchschnittlich 18 auf 17,4 Tage Hustendauer durch Antibiotikabehandlung; mehr als jeder Fünfte (22 %), der ein Antibiotikum bekam, berichtete über Nebenwirkungen, wie Durchfälle, Hautausschlag u. a. Lediglich schwache und ältere Menschen (75+) sowie Patienten mit bestehenden Grunderkrankungen könnten einen leichten Nutzen von einer Antibiotikaeinnahme haben.

    Schmerz- und Fiebermittel: Erhöhte Körpertemperatur und Fieber werden für die Heilung als günstig bewertet. Vor dem Einsatz fiebersenkender Medikamente sind Behandlungsversuche mit Wadenwickeln eine allgemein anerkannte Maßnahme (allerdings nur bei warmen Extremitäten!). Schmerzmittel haben keinen Einfluss auf die Krankheitsdauer, aber in Einzelfällen können z. B. Paracetamol oder Ibuprofen zur Linderung von Kopf- und Gliederschmerzen sinnvoll sein.

    Hustenreizdämpfende Medikamente: Codeinhaltige Mittel sind in der Regel nicht erforderlich und nur bei trockenem und quälendem Reizhusten für maximal 14 Tage sinnvoll.

    Schleimlösende Mittel: Sollen bei produktivem Husten die Sekretion der Bronchialflüssigkeit fördern oder die Viskosität eines verfestigten Bronchialschleims senken; diese Wirkung ist bei akutem Husten und Erkältungskrankheiten wissenschaftlich nicht belegt. Die französische Arzneimittelbehörde hat schon 2010 die Verwendung von Schleimlösern bei Kindern unter 2 Jahren als nicht zulässig eingestuft! Der Grund: Säuglinge und Kleinkinder können die Atemwegssekrete schlecht abhusten. Verflüssigen Medikamente den Bronchialschleim, kann es in den Bronchien zu einem Sekretstau kommen.

    Abschwellende Nasentropfen: Anwendung nur bei starkem „Stockschnupfen“, keinesfalls länger als 7 Tage!

    Der PAP-Abstrich in der Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge

    Das österreichische Vorsorgeuntersuchungsprogramm empfiehlt den Gebärmutterhalsabstrich (PAP-Abstrich, benannt nach dem griechischen Arzt Papanicalaou) seit 2005 allen Frauen zwischen 19 und 69 Jahren in einem Abstand von 3 Jahren, wenn die drei ersten Abstriche im 1-Jahres-Abstand unauffällig waren. Ab 70 kann auf weitere Vorsorgeuntersuchungen verzichtet werden, sofern in den vergangen zehn Jahren kein PAP-Abstrich mit höherem Testergebnis als PAP I oder II gefunden wurde, da gute wissenschaftliche Belege dafür vorhanden sind, dass Frauen in der Altersgruppe 70 Jahre und älter nicht mehr von fortgesetzten PAP-Tests profitieren.

    Es gibt große Unterschiede in den Empfehlungen der einzelnen Länder: Nur mehr in ganz wenigen Ländern, etwa in Deutschland, werden allen über 20-jährigen Frauen jährliche Gebärmutterhalsabstriche angeboten. In anderen Ländern, z. B. in der Schweiz, den Niederlanden, Dänemark und Italien, werden Untersuchungen im Abstand von 2–3 Jahren für ausreichend gehalten – ein Krebs wächst so langsam, dass die Untersuchung noch rechtzeitig kommt. In England beginnt das Screening mit 24, in Finnland beginnt es erst mit 30 und endet mit 60. Der Abstand zwischen den Untersuchungen beträgt dort 5 Jahre.

    Es gibt keinen direkten Nachweis, dass eine jährliche Vorsorgeuntersuchung bezüglich Zervixkarzinom bei Frauen, die keiner Risikogruppe angehören, zu besseren Ergebnissen führt als Untersuchungen im Abstand von drei Jahren. Ein kürzeres Intervall hat sich in einer großen Studie, die acht nationale Screening-Programme in Europa und Kanada mit insgesamt 1,8 Millionen beteiligten Frauen umfasste, als nicht überlegen herausgestellt. Es gibt klare Hinweise, dass es durch eine Erhöhung der Frequenz zur deutlichen Zunahme der Nachteile kommt. Die Effektivität des Screenings lässt sich weniger durch häufiger durchgeführte PAP-Tests oder durch Ausweitung der Altersgruppen steigern, als vielmehr durch die vermehrte Erfassung von Frauen, die bislang nicht oder nur unregelmäßig zu den Gesunden-Untersuchungen gehen, insbesondere jene, die ein erhöhtes Risiko für Gebärmutterhalskrebs haben.

    Personen mit Empfehlung zu kürzeren Intervallen:

    • Frauen, die besonders früh sexuell aktiv sind (vor dem 16. Lebensjahr)
    • Frauen mit häufig wechselnden Sexualpartnern
    • Frauen, die bereits bei früheren Abstrichen Zellveränderungen hatten
    • Frauen aus niedriger Sozialschicht
    • Frauen mit Geschlechtskrankheiten, HPV- oder HIV-Infektion

    Wir informieren Sie in unserer Praxis selbstverständlich gerne umfassender!